ESC 2017-Review

Zum 62. Mal hat sich der Eurovision Song Contest nun wiederholt. Dieses Mal fand er in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, da im letzten Jahr die Sängerin Jamala mit 1944 den ESC in Stockholm (Schweden) gewann.
Stattgefunden hat der Wettbewerb im IEC in Kiew. Moderiert wurde die Veranstaltung unter dem Thema Celebrate Diversity (Vielfalt feiern) von den drei Herren Timur Miroschnytschenko, Wolodymyr Ostaptschuk und Oleksandr Skitschko [btw sehr vielfältig, keine Frau dabei zu haben].

Die Eröffnung

Ein Einspielfilmchen, welches die Kugeln zeigt, die das Logo des diesjährigen europäischen Gesangswettbewerbs bilden, sowie ein paar flackernde Lichter eröffnen dieses Mal die Veranstaltung in der IEC. Darauf folgend laufen die Künstler jedes Landes ein, leider nicht so toll und lustig wie letztes Jahr. Dafür müssen sie etwas mehr Weg zwischen Bühne und Green Room zurücklegen.
Als sich alle zurückgezogen haben kamen auch leider schon die Moderatoren mit einem sehr eigenwilligen Kleidungsstil auf die Bühne. Anders als Måns und Petra letztes Jahr aber, ließen sie eine sympathische Ausstrahlung und einen gewissen Humor vermissen. Der „I am you Discoball“-Witz von Wolodymyr oder die Kinderfotos der Moderatoren waren eher zum fremdschämen als zum lachen.

Die Show

1. Israel

I Feel Alive von IMRI
Musik und Text: Dolev Ram, Penn Hazut

Dieser Auftritt war wohl wahrhaftig schon der schlimmste von allen. Ich habe mir im Vornherein schon die Songs angehört gehabt und u.a. Israel habe ich sehr gemocht. Es hat Stimmung gemacht!
Leider konnte der Sänger dies mit seiner schrägen Stimme nicht erreichen. Außerdem fand ich es schade, dass die Chance vertan wurde, die geigenähnlichen Instrumente gegen Ende des Liedes auf die Bühne zu holen. Stattdessen gab es nur mehr unnötige Tänzer.

2. Polen

Flashlight von Kasia Moś
Musik und Text: Kasia Moś, Rickard Bonde Truumeel, DWB

Der Song ist meiner Meinung nach Mittelmaß und nein, liebe Kasia, ein Lied wird nicht besser, nur weil man seine gute Stimme einsetzt um singend rumzuschreien!

3. Weißrussland

Story of my Life von Naviband
Musik und Text: Artem Lukyanenka

Das „Hey, hey, jajaho“ kann hier gerne zu Fremdscham verleiten, aber ansonsten ist das eigentlich ein sehr fröhlicher Song und die Interpreten sehr sympathisch. Anders als ein Kuss, der später auftreten sollte, war dieser hier am Ende auch gewollt und eher von Liebe gekennzeichnet :D.

4. Österreich

Running on Air von Nathan Trent
Musik und Text: Nathan Trent, Bernhard Penzias

Der zweite Song an diesem Abend, den ich schon vor dem Finale sehr mochte. Anders als Israel hat Nathan es aber glücklicherweise nicht verkackt. Nur die Relation zwischen Lied und Dreamworks-Performance ging mir nicht richtig in den Kopf.

5. Armenien

Fly with Me von Artsvik
Musik: Lilith Naarsardyan, Levon Navarsardyan
Text: Avet Barseghyan, David Tserunyan

Dem Song stand ich durchaus kritisch gegenüber, doch eigentlich hat er doch ziemlich Spaß gemacht. Besonders der orientalische Touch hat es mir im Nachhinein angetan.
Übrigens ist mir eine Sache ganz besonders an der Sängerin aufgefallen: Wer zur Hölle trägt so viele RInge? Und das noch an beiden Händen? 😀
Das sah wirklich gewöhnungsbedürftig aus m. M. n.!

6. Niederlande

Lights and Shadows von OG3NE
Musik: Rick Vol, Rory de Kievit
Text: Rick Vol

Ja, es ist sehr traurig, dass die Mutter an Krebs erkrankt ist und sehr schön, dass die Mädels mit ihrem Vater zusammen für sie einen Song gemacht haben. Dennoch hätte ich das nicht benötigt. Hier ist mir kleidungstechnisch übrigens sehr ins Auge gestochen, wie zwei der Schwestern versuchen, sich so aufreizend wie möglich zu zeigen, während die Dritte meint: „Ne, da mach‘ ich nicht mit. Gib‘ mir was mit Hose und ohne Ausschnitt!“ 😀

Bevor wir zum nächsten Auftritt kommen, sei gesagt, dass die Moderatoren, die es jetzt mit Fan-Befragungen und klassischem, ukrainischen Volkstanz versuchen, immer noch keine Sympathiepunkte von mir erhalten haben.

7. Moldawien

Hey Mamma von Sunstroke Project
Musik: Anton Ragoza, Serghei Ialovitki, Seghei Stepanov, Mihail Cebotarenco
Text: Alina Galetscala

Jaaaaa! Der „Epic Sax Guy“ aus 2010 ist zurück! 😀
Die Saxophon- und Geigen-Teile gleichen den eigentlich eher mittelmäßigen Gesang (und mittelmäßigen Song i.A.) gut aus. Außerdem hat man dem Sänger angemerkt, dass er durchaus Stimmung machen wollte.
Letztlich war es auch der Hype um den Saxophonisten, welcher wohl dem Land viele Punkte am Ende einbrachte.

8. Ungarn

Origo von Joci Pápai
Musik und Text: József Pápai

Und ein guter Titel folgt dem anderen, so scheint es gerade. Der Roma-Sänger Jocí Pápai trat mit einem ungarischen Lied auf, welches aber anscheinend auch Roma-Sprache beinhaltete im Refrain. Nur beim Rap-Teil dieses orientalischen Titels hätte er vllt einmal mehr durchatmen sollen, anstatt in gefühlt einem Zug alles laut runterzurattern.

9. Italien

Occidentali’s Karma von Francesco Gabbani
Musik: Francesco Gabbani. Filippo Gabbani, Luca Chiaravalli
Text: Francesco Gabbani, Fabio Ilacqua, Luca Chiaravalli

Mein Favorit diesen Abend ist nun also als Neunter aufgetreten!
Der Song hatte Pepp und auch eine tolle Gesellschaftskritik am „abendländischen Karma“. Leider wurde es, um auf drei Minuten zu kommen, stark und m. M. n. schlecht gekürzt. Sehr amüsant fand ich die Regenbogenflaggen-Naht an Francescos Anzug übrigens, während mich der Affe nach mehrmaligem Hören und Sehen des Songs natürlich nicht überrascht hat. Dieser sollte eben einen Gegensatz zum nackten Affen (La scimmia nuda balla – Der nackte Affe tanzt) datstellen.

10. Dänemark

Where I Am von Anja
Musik und Text: Anja Nissen, Michael D’Arcy, Angel Tupai

Naja, auch diesen Song fand ich jetzt nicht so den Bringer. Da können auch „tollen, äußerlichen Merkmale“ der Zahnlücke oder Oberweite der Australierin, die kaum Dänisch spricht, aber trotzdem für Dänemark antritt (Das wäre so, als würde ich für Italien antreten), nichts dran ändern.

11. Portugal

Amar pelos Dois von Salvador Sobral
Musik und Text: Luisa Sobral

Dieses Lied wurde von den ESC-Fans weltweit neben Italien als DER Favorit auserkoren. Zurecht wie ich finde, da seine Stimme einfach wirklich schön ist und mich berührt hat. Na klar findet dieser Song nicht den Weg in meine „Favoriten“-Playlist bei Spotify und der Bühnenauftritt des Herzkranken war verständlicher-, aber auch passenderweise, nicht der pompöseste des Abends, aber schön und berührend war er dennoch.

12. Aserbaidschan

Skeletons von Dihaj
Musik: Isa Melikov
Text: Sandra Bjurman

Also als allererstes: Was macht dieser Mann mit dem Pferdekopf da oben auf der Leiter? Ernsthaft, was soll das? Das hat doch 0 mit dem Song zu tun! ^^
Die Tafel mit den Ausschnitten aus dem Text war aber originell, auch wenn ich mir einen anderen Auftritt, ähnlicher zum Musikvideo, erwartet hätte. Das Lied gefällt mir durchaus, genauso wie die Stimme der Sängerin.

13. Kroatien

My Friend von Jacques Houdek
Musik: Jacques Houdek, Siniša Reljić, Tony Malm
Text: Jacques Houdek, Ines Prajo, Arjana Kunštek, Fabrizio Laucella

Ein Sänger, der mit einer sehr hohen und tiefen Stimme singen kann, für Kroatien auf Englisch und Italienisch singt und einen französischen Vornamen hat. Klingt doch alles logisch!
Ich habe ehrlich gesagt diesen Song nicht im Finale erwartet, da er innerhalb der ESC-Fangemeinde doch sehr viel „Hass“ abbekommen hat. Dennoch war er da und ich war überrascht, wie gut er mir doch gefallen hat. Vielleicht hat auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass ich erstaunt war, wie eine Person mit sich selbst ein Duett in zwei verschiedenen Sprachen singen konnte.

14. Australien

Don’t Come Easy von Isaiah
Musik und Text: DNA, Michael Angelo

Ja, auch dieses Jahr waren die sehr europäischen Australier wieder Teil des Gesangswettbewerbs. Leider haben sie mit einem selbstverliebten 17-jährigen Super-Eyebrow und einem mittelmäßigen Liebeslied nicht den Nerv von mir getroffen, den die Australier in den letzten zwei Jahren zu treffen vermocht haben. Schade, schade.

15. Griechenland

This is Love von Demy
Musik: Dimitris Kontopoulos
Text: Romy Papadea, John Ballard

So ein typischer Liebespopsong. Ne, danke. Nicht mit mir, Griechenland. Sowas haben wir genug, sowohl bei Eurovision als auch in der „normalen“ Musikszene.

16. Spanien

Do it for your Lover von Manel Navarro
Musik und Text: Manel Navarro, Antonio Rayo „Rayito“

Hawaii macht auch mit? Ach ne, ist nur Spanien. Ich mochte den Song von vornherein nicht und diese Meinung hat sich auch das Finale über nicht geändert. Der Titel alleine reicht mir schon, keine Lust mehr auf das Lied zu haben (Mach es für deinen Geliebten) und der Refrain, der eigentlich nur aus „Klatsche und mache es für deinen Geliebten“ besteht, hat mich auch zu nichts inspiriert. Vielleicht verstehe ich den Song mangels einer Geliebten auch einfach nur nicht. Wer weiß? 😛

17. Norwegen

Grab the Moment von Jowst
Musik: Joakim With Steen
Text: Jonas McDonnell

Ok, jetzt geht’s ab! Jeder ESC benötigt eine DJ-Nummer und hier ist sie! Wie meistens bei diesen Songs, gehe ich da auch gerne ab. Die Norweger mit ihren schwarzen Glitzermasken: Sehr sympathisch! ^^

Bevor der 18. Auftritt losging, wollten die Ukrainer mit Måns Zelmerlöw, einem der Moderatoren von letztem Jahr, in einem kleinen Clip Sympathie bei den Zuschauern erreichen.
Sorry, immer noch nichts ^^

18. Vereinigtes Königreich

Never give up on You von Lucie Jones
Musik und Text: Emmelie de Forest, Daniel Salcedo, Lawrie Martin

Emmelie de Forest ist zurück! Dieses Mal hat sie aber den Song komponiert und mitgeschrieben und tritt nicht auf. Dies übernimmt Lucie Jones für sie, die ihren Job auch souverän meistert.

19. Zypern

Gravity von Hovig
Musik und Text: Thomas G:son

Dieses Lied hat mir auch sehr gefallen und anders als erwartet, hat Hovig nicht so wie IMRI oder der Sunstroke Project-Sänger eine schiefe Tonleiter gefrühstückt. Ein sehr cooler Song, eine relativ gute Performance, eigentlich alles in allem also gut!

20. Rumänien

Yodel It! von Ilinca feat. Alex Florea
Musik: Mihai Alexandru
Text: Alexa Niculae

Wie kommt man, vor allem in Rumänien, auf die Idee zu jodeln? Und wie kommt man vor allem auf die Idee, Jodeln mit Rap zu verbinden? Man weiß es nicht, aber so schlecht scheint es anscheinend nicht zu sein. Mein vormaliger Platz 42 ist im Finale einige Plätze aufgestiegen, da ich gesehen habe, dass es anscheinend doch funktioniert. Nur der aufgezwungene Kuss am Ende war ein bisschen zu viel des Guten ^^

21. Deutschland

Perfect Life von Levina
Musik und Text: Lindy Robbins, Dave Bassett, Lindsey Ray

Wie man an den ersten Sekunden merken kann, haben hier Musiker mitgewirkt, die auch schon David Guetta bei einigen Songs geholfen haben. Titanium ist deutlich zu hören. Dennoch nimmt das Lied im Verlauf einen anderen Ton an. Leider haben sich meine schlechten Erwartungen bewahrheitet. Wir haben die falsche Sängerin mit dem falschen Song hingeschickt. Dass sie sich hätte aushusten müssen vor dem Auftritt oder ihr ein Glas Wasser wenigstens gut getan hätte, war wohl deutlich genug zu hören. Dieser Auftritt war für mich nach Israel der zweitschlechteste. Sorry!

22. Ukraine

Time von O.Torvald
Musik und Text: Zhenia Halych, Denys Miziuk

Schade, schade. Die Ukrainer hatten ein tolles Lied, aber haben die Chance vertan, einen coolen Auftritt hinzulegen. Vergleicht mal den Auftritt im Vorentscheid mit dem im Finale – Ich fand den ersteren deutlich besser!

23. Belgien

City Lights von Blanche
Musik: Pierre Dumoulin, Emmanuel Delcourt
Text: Pierre Dumoulin, Ellie Delvaux

Eine erstaunliche, junge Sängerin, die wir hier haben! Schon der zweite Auftritt am Abend, der mit Zweistimmigkeit glänzte, wenn auch mit Zurückhaltung, wie man feststellen musste die ersten Minuten. Ich musste mir den Song zwar auch erst mehrmals anhören, um „reinzukommen“, aber mittlerweile empfinde ich ihn durchaus als ziemlich gut 🙂

24. Schweden

I can’t go on von Robin Bengtsson
Musik und Text: David Kreuger, Hamed „K-One“ Pirouzpanha, Robin Stjernberg

Was ist das nur für ein Song und wieso wird er so abgefeiert?
Was soll ich denn bitte schön mit einem „I can’t go on, when you look so freaking beautiful“ anfangen? Richtig, nichts!
Herausgestochen an gesanglichem Talent oder einer tollen Melodie ist es auch nicht und Robins Gesicht ist mir unter seinem Helm beim Motorcross deutlich sympathischer.

25. Bulgarien

Beautiful Mess von Kristian Kostow
Musik und Text: Sebastian Arman, Borislav Milanov, Joacim Persson, Alexander V. Bley, Johan Alkanaes

Hey! Der 1417-jährige Wichtigtuer aus Bulgarien, der kaum Bulgarisch spricht! Na klar, kann er singen, aber an seinem Auftreten an sich muss der Junge noch deutlich arbeiten!

26. Frankreich

Requiem von Alma
Musik: Nazim Khaled
Text: Nazim Khaled, Alma

Ein sehr schönes Lied, gesungen von einer schönen Sängerin. Wie immer hört sich das Französische einfach bezaubernd an :3
Leider haben sie dem Refrain etwas unpassendes Englisch beigefügt, aber was soll’s? Man muss ja zugeben, dass ein kleines bisschen Englisch Frankreich bisher Glück gebracht hat, während Lieder mit einem Französisch-Anteil von 100% eher weniger gut abschnitten.

Große Pause und Votingzeit

Verka Serduchka, ein Flitzer während Jamalas Auftritt und die ehemalige ukrainische ESC-Gewinnerin Ruslana füllen die Votingzeit mit ihrem Gesang und ihrer Stimmung, die sie verbreiten wollen.

Votingergebnisse

Auch dieses Jahr wurden wieder 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10 und 12 Punkte von den Landerjurys an die einzelnen Teilnehmer verteilt. Deutschland hatte hierbei das Glück, drei Punkte von den Iren bekommen zu haben, ging aber ansonsten leer aus.
Darauf folgend, wie letztes Jahr, konnte jedes Land nochmal dieselben Punkte an Länder geben, diesmal aber nicht auf einer Jurymeinung basierend, sondern basierend auf den Stimmen der Zuschauer.
Die Punktesprecherin für die deutschen Jurypunkte war abermals Barbara Schöneberger und dieses Jahr waren diese folgendermaßen aufgeteilt:

1–>Ungarn
2–>Österreich
3–>Kroatien
4–>Schweden
5–>Australien
6–>Vereinigtes Königreich
7–>Niederlande
8–>Bulgarien
10–>Portugal
12–>Norwegen

Was mir gerade beim Durchgucken des Votings wieder einfällt: Die Moderatoren konnten anscheinend echt nicht so wirklich Französisch. Mal hatten wir es mit den korrekten „douze points“ zu tun, aber man kann ja auch mal „deuze points“ oder „duze points“ versuchen ^^
Wie auch immer: Dieses Jahr habe ich AN SICH nichts am Voting auszusetzen. Natürlich waren die Jurystimmen wieder mal etwas politisch, aber das überrascht ja niemanden.
Portugal hat durchaus verdient mit 758 Punkten gewonnen (über die Höhe kann man sich evtl streiten), dennoch bin ich unzufrieden, da ich das so sehr favorisierte Italien gerne zumindest vor Schweden gesehen hätte. Außerdem wurde auch Deutschland nicht Letzter! Das geht doch so nicht! xD
Immerhin weniger Punkte als letztes Jahr geholt 😛

Naja, das war der ESC 2017! Man kann sich schon auf den nächsten, ich nehme einfach mal an, in Lissabon freuen!
Bis dahin:
Danke fürs Lesen, schreibt eure Meinung zum ESC gerne in die Kommentare und bis bald! 🙂

Quelle (Beitragsbild):
https://de.wikipedia.org/wiki/Eurovision_Song_Contest_2017#/media/File:Ukraine_Eurovision.png

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