Schlagwort-Archive: Geschichte

Sturz der Titanen by Ken Follett

sturzdertitanen
OT: Fall of Giants
DT: Sturz der Titanen
Autor: Ken Follett
Verlag: Bastei-Lübbe
ISBN: 978-3-4041-6660-2
Preis: 12,99€

Der erste Teil der „Jahrhundert-Trilogie“ von Ken Follett, die die Geschichte des 20.Jahrhunderts in schöne Romane verpacken soll, heißt „Sturz der Titanen“ und handelt von der Zeit vor, während und kurz nach dem Ersten Weltkrieg.
Die Handlung an sich spielt zum Großteil in Europa (Großbritannien(Wales und England), Frankreich(kriegsbedingt), Deutschland und Russland), doch später im Buch wird auch öfter nach Amerika gereist oder sogar zeitweise nach Asien.
Was mir besonders gut am Buch gefällt, sind diese Hauptkerne, um den sich die ganze Geschichte aufbaut. Die ganzen historischen Fakten und Zusammenhänge, die Follett sich, zusammen mit etwaigen Historikern, angeeignet hat und in die Geschichte hat mit einfließen lassen, sind sehr interessant, da sie über die Fakten aus dem Schulfach Geschichte hinaus gehen, und werden auch sehr genau erläutert.
Sehr schön hierbei finde ich, dass nicht nur eine Seite (z.B. nur die amerikanische Sicht) betrachtet wurde, sondern auch von mehreren Seiten deren Sichten genannt werden. Die bösen Deutschen werden des Öfteren auch mal in Schutz genommen und das durch einen tollen deutschen Protagonisten, der die deutsche Sicht vor allem rational erklärt (aber dennoch aus seinem Patriotismus heraus).
Die Handlungsorte scheinen mir aus historischer Sicht gut gewählt.
Zur Erklärung: In den USA gibt es einen politisch wichtigen Strang (den des Diplomaten Gus Dewar) und einen eher unwichtigen (den vom, aus Russland geflüchteten, Lew Peschkow und seiner Frau Olga), in Europa gibt es an sich drei Stränge, davon zwei englische (einmal Ethel Williams, die sich für die Frauenrechte in ihrem Land einsetzt und zum anderen den Strang des Earl Fitzherberts, dem konservativen Aristokraten, den man meistens nur hassen kann, aber dazu später) und einen deutschen (den des Walter von Ulrich, einem deutsch-liberalem Adeligen) und zu guter Letzt existiert noch ein russischer Strang (der des Grigori Peschkow, der als Revolutionär für die Bolschewiken kämpft). Ihr seht, es werden viele Seiten betrachtet und das für fast jedes großes Ereignis, welches im Buch genannt wird.
Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, auch wenn man sich nur teilweise in sie hineinversetzen kann. Man steht als Leser den Charakteren am Ende doch eher distanziert gegenüber. Dennoch konnte sich so manche Figur bei mir entweder ins Herz spielen (Ethel Williams, Walter von Ulrich, Gus Dewar) oder in meine Liste an Buchcharakteren, die in der Hölle auf ewig schmoren sollen(Lew Peschkow, Earl Fitzherbert, Bea).
Der Schreibstil des Buches ist auch gelungen, wenn man das so sagen kann. Es baut sich teilweise Spannung auf, man kann mit den Charakteren manchmal mitfühlen, weil einfach alles sehr genau beschrieben ist.
Auch sehr genau beschrieben sind die Literotica-Elemente, die teilweise auftauchen und das etwas langgezogene Buch auflockern sollen.
Doch bleibt sich Follett nicht treu auf der Ebene. Wo er am Anfang noch jede einzelne Sex- oder Zärtlichkeitsszene ganz genau beschreibt und analysiert wird er in der Mitte und am Ende nachlässig und schreibt einfach „Liebe machen“. Muss reichen. Ich meine zwar nicht, dass er hätte jetzt alles ausformulieren müssen und dass ich die Szenen unbedingt gebraucht hätte (für die Handlung waren sie nicht unbedingt tragend), doch sollte man sich als Autor schon der Linie treu bleiben und entweder viel bis alles wirklich beschreiben oder halt alles auf zwei bis drei Worte kürzen.

Wenn wir schon beim Kürzen sind, können wir ja mal richtig anfangen zu kritisieren. Das Buch ist zuweilen ziemlich lang gezogen. Manchmal gibt es auch Wiederholungen, die man hätte wegstreichen können (Was heißt hier „manchmal“? Vor allem auf Gefühlsebene gibt es das gesamte Buch hindurch Wiederholungen!). Doch im Gegenzug würde ich dann wieder sagen, dass das Buch sogar zu kurz ist (trotz 1020 Seiten). Die Zeit vor dem Krieg war relativ gut in der Länge, genauso wie alle Vorgänge während des Krieges (Revolution in Russland und der Krieg an sich)), doch am Ende wurde sehr viel übersprungen. Nach dem Jahre 1919 findet man sich plötzlich 1923 beim Hitler-Putsch wieder und dann ist das Buch zu Ende. Das kann es aus meiner Sicht nicht sein, vor allem, weil der zweite Teil mit dem Jahr 1933 beginnt. Das Buch war sowieso schon elendig lang. Die 100 bis 200 Seiten mehr, hätten den Kohl auch nicht mehr sehr viel fetter gemacht.
Auch die ziemlich vorhersehbare Handlung hat mir nicht allzu gut gefallen und damit meine ich nicht die historische Handlung. Das war klar, dass die vorhersehbar sein würde. Teilweise habe ich auch auf bestimmte Ereignisse gewartet, nein, das ist es nicht. Ich meine die Handlungen auf Gefühlsebene bzw. fiktionaler Geschichtsebene. Das finde ich leider ziemlich schade.
Um die Handlung, die ich oben hoch gelobt habe, trotzdem auch noch mal auf die Waagschale zu legen: Ich meinte zwar, dass mehrere Sichten berücksichtigt werden und das stimmt auch, trotz alledem ist die Geschichte leider ziemlich stark auf England und später die USA fokussiert. Deutschland spielt in der Gesamthandlung eine annähernd gleiche Rolle wie der Strang von Lew Peschkow in den USA (wobei ich hierbei von Glück reden muss).
Auch etwas komisch empfand ich es, dass die Sicht Österreich-Ungarns nicht richtig zur Geltung kam, dem Hauptaggressor des Ersten Weltkriegs (zumindest, wenn es um den Beginn des Krieges geht).
Trotz alledem freue ich mich darauf den zweiten Teil „Winter der Welt“ zu lesen (auch wenn ich als nächstes vorhabe, „Schatten des Windes“ zu lesen) und gebe dem Buch….

Abschlussbewertung: 7/10 Punkte

Seid ihr denn der Typ für dicke Bücher? Mögt ihr diese vielen historischen Fakten genauso sehr wie ich? Und zu guter Letzt: Wie seht ihr das mit den Literotica-Elementen in diesem Buch (oder auch in anderen), also wie viel darf davon enthalten sein, um das Buch aufzulockern und wann sollte man es sein lassen? Schreibt es mir in die Kommentare 🙂

LG
GNB

Advertisements

„Wir treffen uns fünf vor in Italien“-Rom 2015

Auch dieses Jahr wurden die Schüler unserer Oberstufe dazu verleitet, doch bei einer Kursfahrt mitzumachen.
Auch ich habe mich dazu entschieden, mitzufahren.
Die Wahl zwischen der Chemie-Fahrt (Lappach, Südtirol (Italien), als Sauffahrt bekannt) und der Fahrt von Geschichte (Rom (Italien, wenn ihr es noch nicht wusstet)) fiel mir ziemlich leicht.
Nicht nur, weil mir Geschichte leichter fällt und ich nicht derjenige bin, der sich gerne mal besäuft, sondern auch einfach nur Roms wegen und, weil mir somit die Möglichkeit offen steht, endlich mal in meinem Leben, zum ersten Mal nach Italien zu gelangen (ins richtige Italien, nicht dieses österreichische)!

Los ging es an einem heißen Berliner Sonntag mit dem AirBerlin-Flug AB 8076, welcher uns in Knapp zwei Stunden nach Rom, an den Flughafen Fiumicino, brachte. Weitere zwei Stunden später dann (wir mussten ziemlich lange auf das Gepäck warten) konnten wir endlich in einen Reisebus einsteigen, welcher uns, mit Einhaltung italienischer Verkehrsregeln, sprich gar keiner, zu unserer Unterkunft brachte und das in knapp unter einer Stunde!
Unsere Unterkunft war ein „wunderschönes“ Kloster der Teatiner am Piazza Vidoni 6 in Lazio.
Ein ziemlich „freundlicher“ Pater Matteo hat uns im Kloster willkommen geheißen und uns eine halbstündige Standpauke darüber gehalten, was wir alles nicht dürfen, z.B. sollten wir es unterlassen nach elf Uhr abends zu duschen und dass wir mit diesen Regeln leben müssten, schließlich seien wir im Vatikan und nicht in Italien. Leider war seine Rede erst um elf Uhr abends in etwa vorbei, sodass wir, völlig verschwitzt durch die schwülen Wetter in Berlin und Rom, nicht mehr unseren Schweiß vor dem Schlafengehen abwaschen durften, was dem Pater erstmal ein wütendes „Stronzo! (dt.: Arschloch)“ von jemandem eingebracht hat. Wütende Anrufe zu den Eltern nach Deutschland folgten schon bald. Doch weil das Fenster bei uns offen war (es war unerträglich heiß im Raum und aus irgendeinem Grund, war die Heizung voll aufgedreht) und unsere Stimmen zu laut, kam der Pater gerne nochmal in den Raum um uns zu sagen, dass wir „biehte das Fenster ßu machen“ sollen.

Eindrücke vom Kloster(Vatikan, nicht Italien)
DSC_0152

Ein vatikanisches Waschbecken im Zimmer von meiner Gruppe
DSC_0153
Wunderbar gemütliche Betten gab es natürlich auch!
Meins gehörte nicht dazu…
DSC_0436
Sanitäre Einrichtungen sind dort wunderbar. Wer braucht denn schon Klobrillen? Und ein verdreckter Boden durch Straßenschuhe in der Dusche stört doch auch keinen…
Des Weiteren werden zwei Duschen für knapp 30 Leute(nur die Jungs) sicherlich reichen….
DSC_0155
Na gut, dieses Becken im Erdgeschoss sah schon schön aus….

Zum Glück mussten wir nicht die ganze Zeit im Kloster verweilen, schließlich hatten wir auch Programm, sofern man überhaupt die Nächte mit geschlossenen Fenstern bei 40 Grad Raumtemperatur aushalten konnte….
Für das Programm, ein paar Bilder:

Montag

DSC_0167
Vormittags: Forum Romanum
DSC_0202
Nach einem reichhaltigem Mittagessen (es gab jeden Tag das gleiche, Nudeln mit Tomatensauce und etwas geriebenen Parmesan), darf man sich für 2,10€ auch mal Nutella B-ready gönnen (Panine, gefüllt mit Nutella und Krokant)
DSC_0204
DSC_0211
DSC_0222
Nachmittags (v.o.n.u.): Piazza Navona, Pantheon, Spanische Treppe
DSC_0219
…zwischendurch Römer bewundern
DSC_0223
Und abends dann Pizza in der Trattoria da Luigi gönnen
(Piazza Sforza Cesarini 23)

Dienstag

DSC_0224
Il Gesu
DSC_0246
In den Musei Capitolini steht die Romolus und Remus-Statue mit der Wölfin, wobei die beiden Brüder erst im 5. Jahrhundert nach Christus dazugestoßen sind (irgendwie muss man ja die Legende manifestieren)
DSC_0277 DSC_0284
Die Führung „faschistisches Rom“ führte uns im EUR-Viertel herum, welches u.a. das „quadratische Kolosseum“ beherbergt (und Wahlplakate von neo-faschistischen Parteien)

Mittwoch

DSC_0290
Heute ging es ins Colosseo, welches von außen kleiner wirkt als gedacht….
DSC_0327
…aber innen dem Olympiastadion das Wasser reichen kann
DSC_0301
Auch dem Vatikanstaat, sowie dessen Museen und der Sixtinischen Kapelle haben wir einen Besuch abgestattet (hier auch wieder: Der Petersplatz ist kleiner als erwartet), bevor es….
DSC_0353
…dann mit der lieben Katha nach Trastevere ging, wo wir uns satt und halbwegs selig aßen, mithilfe einer Mozzarella-Pizza bzw. diesen wundervollen Fettucine al Salmone.
(kann derzeit die Trattoria auf Google Maps nicht wiederfinden, versuche aber mein Möglichstes euch allzubald die Adresse für EUREN Rom-Aufenthalt zur Verfügung zu stellen).

Donnerstag

DSC_0392
Donnerstag war Ostia-Tag. Hier seht ihr, die am besten erhaltenste römische Straße, die es auf der gesamten Welt gibt und rechts unseren deutschen Fremdenführer Stephan/Stefan (k.A., wie er geschrieben wird).
Anders als viele andere (u.a. auch Katha), hat es mich nicht an den Strand gezogen (Landratte), was mir auch einen heftigen Sonnenbrand erspart hat, sowie 6€ dafür, dass ich dort nichts getan hätte. Stattdessen konnte ich auf meinem Zimmer etwas in Ken Follets „Sturz der Titanen“ schmökern und mit den anderen Daheimgebliebenen „Durak“ spielen (ein lustiges, russisches Kartenspiel).
Nach dem Abendbrot bei Chicken Hut (KFC für Arme und so hat es auch geschmeckt), habe ich mir noch ein Eis gegönnt…
DSC_0426
…und zwar in diesem Eiscafé, welches ziemlich bekannt ist und damit wirbt, das beste Eis der Welt zu haben…
Es war WIRKLICH das BESTE Eis, was ich je gegessen habe und für 3,50€ (3 GROSSE Kugeln Eis, große Waffel (oben mit Schoki überzogen), des Weiteren Sahne) sogar relativ preiswert!
Gelateria Giolitti
Via degli Uffici del Vicario 40

Freitag
war dann Abflug. Mit dem Flug AB 8703 ging es zurück nach Berlin.
Dieser hatte aufgrund von Schwierigkeiten bei der Disposition am Flughafen Fiumicino knappe 45 Minuten Verspätung.
Aber war das schon alles, was ich dazu sagen wollte?
Naja, nein. Erstmal habe ich die Zeit ohne Internet überstanden bzw. ich habe irgendwie es geschafft, im Kloster zu überleben. Es hat sich GUT angefühlt, also ohne das Internet. Das mit dem Kloster ist zwar irgendwie ein Abenteuer, aber das benötige ich kein zweites Mal unbedingt.
Auch die“Selfie-Stick-Men“, wie ich sie liebevoll nenne, habe ich überlebt und ich glaube darüber darf man stolz sein! 😀
DSC_0348
Ein Foto eines „Selfie-Stick-Man“ von vielen. Diese gab es auf den zahlreichen Piazzas gefühlt zu Tausenden und sie sahen, aus meiner Sicht, fast alle irgendwie gleich aus! Etwas gruselig, aber vor allem nervig, wenn sie dir dauernd am Tage diese Selfie-Sticks und am Abend dann diese sch**ß Laser-Pointer andrehen wollen!

Des Weiteren ist es auch zu erzählen wert, dass es in Italien ganz viele Trinkbrunnen gibt, an denen man sich eiskaltes, frisches Trinkwasser abzapfen kann. Das hat so manchen bei diesem schwül-heißen Wetter vor dem Hitzschlag bewahrt!
Weiterhin ist es erwähnenswert, kurz das ÖPNV-System in Rom anzusprechen. Die Busse sind in der Stadt nur als Eindecker unterwegs (hier merkt man erst, wie gut die innere Klimaanlage des Körpers funktionieren kann. So gut, dass man so nass aus dem Bus kommt, wie sonst nur aus der Badewanne), alt (neueste Bus-Generation hat Baujahr 2002 nehme ich an) und die Sitze sind Plastik-Schalensitze, wobei „Schalensitz“ eine Beleidigung für jedes Gesäß wäre, welches sich da einmal hineinsetzen musste (ich will NIE WIEDER von einem Deutschen hören, dass UNSERE Sitze in den Bussen ungemütlich seien!). Die U- und (vor allem) S-Bahnen sind zum Großteil alt (vor Jahrtausendwende) und unklimatisiert, aber genauso voll wie diese Eindeckerbusse in der City.
Kurz: Ich möchte eigentlich nie wieder mit der atac (so heißt dort die Verkehrsgesellschaft) fahren. Lieber dann ein Auto oder eine Vespa mieten (Voraussetzung wäre, dass ich dann schon meinen Führerschein habe).

Wenn wir aber mal vom Negativen absehen (Kloster, Selfie-Stick-Man, ÖPNV und Wetter), war diese Kursfahrt echt angenehm, hat irgendwie viel Spaß gemacht und man hat viel Neues dazugelernt (was der Sinn einer Kurs- bzw. Bildungsfahrt ja auch ist). Des Weiteren waren wir in einer wundervollen, europäischen Hauptstadt mit langer Geschichte, in der ich zwar nie und nimmer leben würde, aber wohin ich gerne zurückkehren würde, um die teilweise wundervolle, alte Gegend komplett zu genießen.
Ja, das war Rom. Das war unsere Reise vom 05.-10-07-2015, welche keine Fahrt war, welche vergleichbar wäre, mit denen von davor.

Wart ihr denn schon mal in Rom und wie hat es euch gefallen? Habt ihr irgendwelche Tipps, was ich bei meinem nächsten Rom-Besuch so alles noch entdecken und besuchen könnte? Habt ihr vielleicht jetzt Lust bekommen, nach Rom zu fliegen?
Schreibt es mir doch in die Kommentare 🙂

Zum Bericht von der, oben mehrmals erwähnten Katha, geht es übrigens HIER.

Und nun grazie mille für’s Lesen und Ciao!
GNB